Autoreise mit Katze: Warum „möglich“ nicht immer auch „klug“ ist

Katze Autofahren

Es gibt nicht viel, das uns Katzenbesitzern mehr Unwohlsein bereitet, als mit unseren Samtpfoten ins Auto zu steigen. Als orts- und revierbezogene Wesen reagieren die meisten Katzen sehr empfindlich auf räumliche Veränderungen. Gänzlich unvermeidbar sind sie nicht – aber wie viel Autofahrt ist einer Katze eigentlich zumutbar?

Die Wurzel allen Übels: Empfindliche Seelen

Kitten
Bereits ein frühzeitiges Training im Kittenalter kann helfen, die Katze an das Auto zu gewöhnen. (Bildquelle: Pixabay.com)

Naturgemäß handelt es sich bei der felinen Spezies um Reviergänger. Sie bewohnen ein bestimmtes Gebiet und verlassen es für die Jagd, ein regelrechter Wechsel des Wohnortes findet aber nur in Ausnahmesituationen statt; beispielsweise während der Jungenaufzucht. Ihr Jagdrevier kennt deine Katze ebenso gut wie die Kernzone des Gebietes. Zumeist ist das eine Wohnung oder ein Haus mit Garten. Der eigene Lebensraum ist ihr bestens vertraut. Setzt du deine Katze ins Auto, etwa weil ein Tierarztbesuch ansteht, entreißt du sie regelrecht ihrer gewohnten Umgebung, wodurch es bei deiner Samtpfote zu Orientierungsproblemen kommt. Eine Katastrophe für ein Lebewesen, das den ganzen Tag mit Beobachten und Kontrollieren verbringt!

Ein nicht unwesentlicher Fakt ist auch, dass Katzen während ihrer sensiblen Kittenphase in der Regel nicht auf das Autofahren geprägt werden. Wenn du rechtzeitig mit regelmäßigen Ausflügen im KFZ beginnst, lernt dein Kätzchen das Auto als Bestandteil seines Lebens kennen und verbindet damit etwas Positives, anstatt Fremdes und Beunruhigendes. Alles, was dein Kätzchen während dieser sensiblen Phase kennenlernt, prägt es für den Rest seines Lebens. Lernt es dein Auto nicht kennen, kannst du dies im Alter nicht mehr korrigieren.

Minki-Express: Wie viel Autofahren ist gesund?

Kennt deine Mieze das Auto wie ihr eigenes Fell? Dann zeigt sie womöglich ein geringes Maß an Aufregung und Spannung, jedoch keine Todesängste. In einem solchen Fall sind längere Autofahrten kein Problem, denn Miezen verfügen gewissermaßen über einen On-/Off-Schalter: Wird der Stress doch zu groß, legen sie sich dösen, schnurren zur Beruhigung und verzichten auf Futter, Wasser und Streicheleinheiten. Ohne Turbulenzen kann dieser Zustand für viele Stunden aufrecht bleiben. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Sogar ein sechs- bis siebenstündiger Umzug mit drei Katzen ist so möglich. Fahrten, die länger als zwölf Stunden dauern, sind jedoch aus tierschutzrelevanten Gründen nicht anzuraten – auch wenn es hier natürlich wieder Ausnahmesituationen geben kann.

Anders sieht es hingegen aus, wenn deine Katze schon beim Aufsperrgeräusch deines Wagens panische Zustände zeigt. In diesem Fall gilt es, Autofahrten möglichst kurz zu gestalten oder – noch besser – ganz zu vermeiden, um den Stresslevel deiner Katze auf möglichst niedrigem Level zu halten. Ein zu hohes Maß an Stress – wodurch auch immer dieser entsteht – kann zu verschiedenen Krankheiten wie Verdauungsstörungen, Herz- und Kreislaufproblemen oder sogar Nervenerkrankungen führen.

Die meisten Hauskatzen akzeptieren eine kurze Reise mit dem Auto – das bedeutet aber nicht, dass sie ihnen gefallen. Sie sind also immer noch gestresst, auch wenn sie keine Angst zeigen. Legt sich die Katze schlafen, nutze die Gunst der Stunde und lege möglichst viel von deiner Strecke zurück. Für Katzen, die das Auto strikt verweigern, wären bei kürzeren Wegen die Katzenleine und ein Spaziergang eine gute Alternative; denn so weiß deine Katze, wo sie sich befindet. Und womöglich liegt der Weg sogar innerhalb ihres Reviers. Dies kann die Katze im Auto aber mangels Sichtweite nicht beurteilen, weshalb der Stresslevel entsprechend steigt.

Wie viel oder wie lange du mit deiner Katze tatsächlich im Auto fahren kannst, ist also situativ und stark vom Wesen deines Stubentigers abhängig. Als Faustregel gilt, Stress möglichst zu vermeiden. Wenn du nicht absolut sicher bist, dass deine Miezbewohnerin das Autofahren gut verträgt, solltest du es eher vermeiden und auf die räumliche Veränderung – deiner Katze zuliebe – verzichten. Und wenn das wirklich gar nicht möglich sein sollte, dann erleichtere deiner Katze das Autofahren.

Tipps und Tricks für eine entspanntere Reise

Katze entspannt
Hilfsmittel wie Baldrian können dabei helfen, dass die Katze für die Autofahrt entspannter wird. (Bildquelle: Pixabay.com)

Auch eine stressige Autofahrt ist nur noch ein halb so großes Drama, wenn bekannte Elemente sie begleiten. Soziale Katzen in einer Lebensgemeinschaft sollten daher bestenfalls gemeinsam fahren. Auch das Lieblingsspielzeug in der Transportbox kann helfen, ebenso wie bestimmte Gerüche, die es sonst nur im Revier gibt. Baldriankissen* oder Feliway-Produkte* sind ebenfalls erfolgversprechende Hilfsmittel zur Beruhigung in stressigen Situationen.

Lesetipp: Die besten Beruhigungsmittel für Katzen

Viel eher anzuraten ist jedoch das frühzeitige Training in der Kittenphase, denn damit sparst du später hinsichtlich der Hilfsprodukte eine ganze Menge Geld. Idealerweise befindet sich die Katze zu dieser Zeit aber noch beim Muttertier und bei seinen Geschwistern. Das bedeutet, dass der Züchter oder der momentane Katzenhalter alle Hände voll zu tun hat, wenn er einem ganzen Kätzchenwurf das Autofahren beibringen möchte – denn ein Trennen vom Wurf (vor der 12. Lebenswoche) für ein Einzeltraining kann schwere Folgen im späteren Verhalten der Katze nach sich ziehen.

Kurz und knapp

  • Lange Autofahrten sind möglich – sollten aber vermieden werden.
  • Die Abdunkelung der Transportbox (noch im Haus oder in der Wohnung) kann helfen, dass deine Katze die veränderte Umgebung nicht so sehr wahrnimmt; das kann den Stresspegel niedrig halten.
  • Gewohnte Gegenstände oder Gerüche im Fahrzeug wirken beruhigend und verdeutlichen der Katze „Normalität“.
  • Soziale Katzen sollten gemeinsam fahren und nicht getrennt werden.
  • Als Katzenbesitzer sitzt du bestenfalls nicht selbst am Steuer, sondern hast als Beifahrer ein Auge auf deine Miezen. Reden und die Beschäftigung mit dem Lieblingsmenschen kann bei Stress wahre Wunder bewirken – abhängig davon, wie stark die Bindung zwischen euch ist und ob die Katze womöglich zur Aggression neigt.
  • Stresse die Katze nicht zusätzlich oder unnötig lange. Keine laute Musik, kein Rauchen und das Tanken sollte schon vor Fahrtantritt erledigt sein.
  • Es ist eine Selbstverständlichkeit, ich möchte sie dir aber dennoch ans Herz legen: Eine Autofahrt mit Katze erfolgt ausschließlich in einer Transportbox – lass dein Tier niemals frei im Auto herumhüpfen!
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  • Das Modell mit 2 Türen ermöglicht ein einfaches Einladen des Tiers
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Ein Schlusswort

An dieser Stelle sei nochmals erwähnt: Katzen sind durchaus in der Lage, mehrere Stunden in einem fahrenden Auto zu verbringen. Je intensiver die vertrauensvolle Bindung deiner Katze zu dir ist, desto einfacher wird ihr auch die Reise fallen, solange du dabei bist. Dennoch ist ein solches Vorhaben immer mit Stress verbunden, da die Veränderungen entsprechend groß sind. Daher solltest du, wenn möglich, lange Autofahrten mit deiner Mieze vermeiden.

Die Fahrt selbst sollte sich gänzlich nach den Bedürfnissen deiner Katze richten. Eine Sedierung (Narkose) ist für eine Autofahrt alleine nicht zu empfehlen. Achte aber dennoch darauf, dass deine Mieze von dem Geschehen möglichst wenig mitbekommt. Überlege, welche Hilfsmittel und Tricks für deine Katze besonders in Erwägung zu ziehen sind. Du selbst weißt am besten, ob dein Haustier besonders auf Leckereien anspricht, oder ob Baldrian und Feliway eine bessere Entscheidung sind. Basierend auf diesem Wissen solltest du das Projekt „Autofahren mit Katze“ schlussendlich ausgestalten.

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