Haltung von Katzen: Alleine oder zu zweit?

Haltung von Katzen: Alleine oder zu zweit?

Eine Katze? Oder zwei? Oder doch gleich drei? Bei der Frage, ob Katzen lieber einzeln oder in Gruppen gehalten werden sollten, prallen auch unter Katzenhaltern manchmal Welten aufeinander. Verfechter der Gruppenhaltung werfen Haltern mit nur einer Katze vor, das Tier nicht artgerecht zu halten. Sie müssen sich wiederum anhören, dass Menschen mit mehr als zwei Katzen asozial seien.

Gibt es bei dem Thema ein Richtig oder Falsch?

Das Wesen der Katze

Katzen gelten als geborene Einzelgänger. Ihr Auftreten empfinden wir oft als stolz und unnahbar. Nicht umsonst heißt es, die Katze sucht sich den Menschen aus, nicht umgekehrt. Aber wie sieht es bei Artgenossen aus? Sind Katzen wirklich nicht auf soziale Kontakte mit Artgenossen angewiesen?

Doch, das sind sie. Dass Katzen keine Kontakte zu Artgenossen wollen, ist ein Mythos, der sich bis heute hartnäckig hält. Katzen sind vielleicht nicht so kontaktfreudig wie Hunde, aber auch sie führen teilweise komplexe Sozialleben. Der Unterschied ist nur, dass wir als Besitzer davon meist nicht viel mitbekommen.

Katzen mit Freigang suchen sich ihre Partner in der Nachbarschaft. Wen sie mögen und wen sie wild fauchend aus ihrem Garten vertreiben, hängt von ihren persönlichen Vorlieben ab. Wir mögen schließlich auch nicht alle Menschen um uns herum.

Katze in der Wildnis
Katze mit Freigang (Quelle:Pixabay.com)

Bei Katzen können sich ganz unterschiedliche Sozialgeflechte bilden. Einige haben einen festen Partner und ansonsten wenig Kontakt zu anderen Katzen. Manche bilden geschlechtergetrennte Gruppen, andere Harems und wieder andere bleiben am liebsten ganz allein. Bei Katzen scheint es alles zu geben.

Ein weiterer, wichtiger Punkt, der Katzen und Hunde unterscheidet, ist die Notwendigkeit dieser Verbindungen. Hunde sowie Wölfe jagen im Rudel. Sie sind aufeinander angewiesen und haben allein kaum eine Überlebenschance. Katzen gehen allein auf die Jagd, auch wenn sie verwildert in einer Gruppe leben. Sie ziehen ihren Nachwuchs ohne Hilfe der anderen Katzen auf. Es sieht also so aus, als hätten auch Katzen ein Grundbedürfnis nach sozialen Kontakten, ohne dass diese ihr Überleben sichern würden. Katzen mit Freigang können sich ihre Kontakte auf eigene Faust beschaffen. Wohnungskatzen haben es da deutlich schwerer.

Vor- und Nachteile bei Einzelhaltung

Die Haltung einer Katze birgt Vor- und Nachteile. Du solltest sie abwägen, bevor du dich für die Einzelhaltung entscheidest. Bedenke dabei auch das Wesen deiner Katze. Manche Katzen bleiben lieber allein. Eine Vergesellschaftung kann klappen, aber auch nach hinten losgehen und dir und deiner Katze nur Nerven rauben.

Zwei Vorteile einer einzelnen Katze sind ganz klar die Kosten und der entstehende Schmutz. Tierarztkosten verdoppeln sich bei zwei Katzen schnell, da die eine die andere ansteckt. Für genug und am besten hochwertiges Futter musst du auch sorgen. Die Haare beseitigen sich nicht von selbst. Ebenso wollen die Katzenklos regelmäßig gesäubert werden.

Dir bleiben Rangkämpfe erspart. Auch zwei Katzen, die sich eigentlich gut verstehen, geraten mal aneinander. Dabei können sie sich nicht nur gegenseitig verletzen, sondern auch deine Einrichtung in Mitleidenschaft ziehen.

An erster Stelle der Nachteile steht eine mögliche Vereinsamung der Katze. Gerade bei Wohnungskatzen, die keine Möglichkeit für Sozialkontakte mit Artgenossen haben, droht das. Die Folgen sind Wesensänderungen, die wir nur selten direkt mit dem eigentlichen Problem in Verbindung bringen.

Wird eine Katze plötzlich unsauber, zerstört Einrichtung oder verhält sich dem Besitzer gegenüber aggressiv, kann Einsamkeit der Grund sein. Aber kaum ein Katzenhalter kommt sofort darauf. Im Hinterkopf spukt immer noch der Mythos der Katze als Einzelgänger herum. Besonders eine depressive Katze wird selten als solche erkannt. Liegt eine Katze lethargisch herum, denken wir eher an körperliches Leiden. Tatsächlich ist die Katze so unglücklich mit ihrem Leben, dass sie einfach keine Lust mehr hat, ihr Körbchen zu verlassen.

Katze spielt mit dem Teppich
Wenn eine Katze die Einrichtung zerstört kann Einsamkeit die Ursache sein (Quelle: Pixabay.com)

Ist eine Katze zu lange allein, verlernt sie ihr Sozialverhalten. Einzeln gehaltene Kitten können dieses erst gar nicht aufbauen. So ein Zustand lässt sich nur schwer wieder umkehren. Je später eine Vergesellschaftung stattfindet, desto seltener ist sie von Erfolg gekrönt.

Vor- und Nachteile bei Gruppenhaltung

Die Nachteile der Einzelhaltung sprechen stark für eine Gruppen- oder mindestens Paarhaltung, von Katzen, oder? Aber natürlich kann es auch bei mehreren Katzen in einem Haushalt zu Problemen kommen, die du kennen solltest.

Zunächst aber die Vorteile: Mehrere Katzen in einem Haushalt können sich gegenseitig beschäftigen. Du als Besitzer hast wohl kaum Zeit, den ganzen Tag mit deinen Stubentigern zu spielen. Selbst wenn, ersetzt ein Mensch keine zweite Katze. Katzen in Paarhaltung können sich daher besser auspowern, miteinander kuscheln, sich auch mal streiten oder gegenseitig putzen.

Zwei Katzen, die miteinander spielen
Zwei Katzen die miteinander spielen (Quelle: Pixabay.com)

Schüchterne oder ängstliche Katzen trauen sich durch selbstbewusstere Artgenossen deutlich mehr. Die Tiere bieten sich gegenseitig Sicherheit, sodass Verhaltensauffälligkeiten seltener vorkommen.

Kommst du in die Situation, eine fremde Katze aufnehmen zu müssen, verstehen sich deine Katzen mit dem Besuchstier besser. Das ist natürlich keine Garantie und du solltest trotzdem ein Auge auf sie haben. Aber dadurch, dass deine Katzen ihr Sozialverhalten täglich trainieren, werden sie den Besuch eher akzeptieren.

Die Nachteile sind höhere Kosten durch Tierarzt, Futter, Pflegeartikel und Schlafmöglichkeiten. Auch Fellbüschel sammeln sich bei zwei Katzen schneller an. Hinzu kommen die Katzenklos. Als Faustregel gilt, dass immer eine Toilette mehr zur Verfügung stehen sollte, als Katzen im Haushalt leben. Bei vielen Katzen kann es da zusätzlich zu einem Platzproblem kommen.

Bei Rangkämpfen kann einiges zu Bruch gehen. Vasen fliegen von der Fensterbank, Gardinen bekommen einen Used Look. Außerdem können sich auch Katzen zerstreiten und finden anschließend nur schwer wieder zueinander.

Wie viele Katzen sollte man zusammenhalten?

In der Regel sagt man, dass zwei Katzen besser als eine sind. Aber das trifft nicht auf alle Katzen zu. Eine Katze, die ständig Freigang hat, braucht in ihrem Heim nicht unbedingt noch einen Partner. Wichtig ist aber in diesem Fall, dass sie wirklich mehrere Stunden täglich die Möglichkeit hat, draußen ihre sozialen Bedürfnisse zu stillen.

Wenn du bereits eine Katze hast, solltest du dir genau überlegen, ob und was für ein Partner für sie infrage kommt. Lebt das Tier schon jahrelang allein, müsstest du mit deiner Partnerwahl genau ins Schwarze treffen. Deine Katze hat vermutlich kaum noch Interesse an einem Artgenossen. Außerdem weiß sie wahrscheinlich nicht mehr, wie sie sich ihm gegenüber verhalten soll.

Ist dir hingegen ein Partner verstorben, sollte der Neuzugang etwa im selben Alter sein. Ältere Katzen gehen deutlich ruhiger durchs Leben. Ein quirliger Katzenwelpe kann da überfordern. Entscheidest du dich dennoch für letzteren, solltest du direkt zwei Welpen aufnehmen. Die beiden können miteinander spielen können und das Alttier hat seine Ruhe.

Beziehe bei der Entscheidung, wie viele Katzen du aufnehmen möchtest, auch die Größe deines Zuhauses ein. Das gilt auch, wenn alle Katzen Freigang haben. Halte nicht mehr Katzen als du Räume zur Verfügung hast. Dazu zählen nur Räume, zu denen die Katzen ungehinderten Zugang haben. Auf diese Weise können sie sich bei Bedarf voneinander trennen. Hocken sie ständig aufeinander, kommt es schneller zu Reibereien.

Kitten
Halte nicht mehr Katzen als du Räume zur Verfügung hast (Quelle:Pixabay.com)

Ausnahmen bestätigen die Regel

Jetzt hast du viel über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Haltungsformen gelernt. Für Katzen hat es in den allermeisten Fällen nur Vorteile, wenn sie einen Artgenossen zur Verfügung haben. Aber natürlich gibt es auch hier Ausnahmen.

Manche Katzen bleiben einfach lieber allein, auch wenn sie die Möglichkeit hätten, sich einen Partner zu suchen. Das ist so und als Halter sollte man sein Tier in so einem Fall zu nichts zwingen. Auch bei Tieren, die ihr Leben lang einzeln gehalten wurden, kann eine Vergesellschaftung enormen Stress bedeuten. Wäge daher gut ab, ob du eine Chance siehst, dass sich die Tiere am Ende verstehen. Wenn nicht, erspare dir und den Katzen die Prozedur.

Hast du hingegen die Möglichkeit, gönne deinem Stubentiger am besten bereits im Kittenalter einen Freund zum Spielen. Gerade bei Geschwistern funktioniert das meistens problemlos.

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